Die Hessenregatta

Wir haben mit der Hessenregatta viel Erfolg, denn sie ist auf die Segler der Binnenländer abgestimmt. Neidvoll blickt der Binnenländer auf 600 Kilometer von seinem Wohnort entfernte Segel-Clubhäuser, inmitten von Ostseehäfen mit eigenem Steg, mit großen Bojen im Hof und auf große seegängige Motoryachten, für die Samstagnachmittag-Regatta mit anschließendem Kartoffelsalat und Würstchen.
Die Hessen waren jedoch nicht blind. Die hessischen Fahrtensegler können seit 1992 jährlich im Mai im Rahmen einer eigenen Regatta ihrem seglerischen Ehrgeiz eine ganze Woche lang freien Lauf lassen. Eine Regatta, und doch ein Törn, rund um die westliche Ostsee mit Hafentag und Fete, wie sich das gehört. Sogar küstennahe Segler sind von der Hessenregatta schlicht und ergreifend gesagt: begeistert.
Bereits Tradition sind zwei Eingewöhnungsetappen von je 30 sm, zwei Etappen von 40 bis 50 sm als Herausforderung und schlussendlich gibt es eine Etappe von 18 sm zum herunterfahren des Adrenalinspiegels.
Wir haben ein Startschiff und ein landgestütztes fahrbares Regattabüro und wir haben faire Regattateilnehmer, die ihre Zielzeit selbst nehmen ohne zu mogeln. Nur so ist die Durchführung der eigenen Veranstaltung fern der Heimat möglich.
Wir müssen auch ohne Vermessungsingenieure auskommen. Es gilt deshalb die Yardstickliste des DSV. Die Bewertung von evtl. Abweichungen vom Grundstandard setzt wieder Ingenieure voraus, Kräne und Taucher. Stattdessen greift hier die fahrtenseglerische Freiheit.
Die Trennung von Eigner- und Charteryachten schafft hier einen Ausgleich.
Yacht- "Exoten" werden vom Techn. Ausschuß bewertet.
Tip: wer mit einer Yardstick -80- Yacht an den Start gehen und vorne liegen will, der sollte prüfen, ob er auch eine Yardstick -80- Mannschaft zur Verfügung hat.
Und trotz fehlender Ingenieure haben die Teilnehmer immer viel Spaß gehabt, auf dem Wasser und auf dem Lande und das soll auch so bleiben.
Und bitte folgendes vertraulich behandeln:
wir als Veranstalter haben schon immer im Voraus gewusst, wer gewinnen wird: immer die Yacht, die die kürzeste berechnete Zeit herausgefahren hat.

Dr. Michael Bauer


Photo: Ralf Deparade
vor Warnemünde - Hessenregatta 2011