Erlebnisreise mit der "Noorderlicht" nach Svalbard

 

31.August bis 16. September 2003

Nach einer Segelreise Island und zurück, mehreren Reisen nach Oslo und Südnorwegen bis Stavanger, haben wir (Segelfreunde des Fahrtensegler-Club Königstein) unsere Liebe für die "Nördlichen Breiten" entdeckt.
Wegen der langen Anfahrt von der Ostsee zum Polarkreis, ist es aus Zeitgründen nicht möglich, auf eigenem bzw. gechartertem Kiel eine Reise über den Polarkreis hinaus, durchzuführen.
Von Clubkameraden des ADAC wsc-main-kinzig wurden wir dann auf die Spitzbergen-Excursionsreisen mit der "Noorderlicht" aufmerksam gemacht. Wir wählten aus den Törns, die vom Termin und dem Reiseverlauf die für uns interressanteste Reise, -Spitzbergenumrundung-Bäreninsel-Tromsö- aus.
Schnell fanden sich aus dem Bekanntenkreis um den FSCK noch Mitfahrer (fünf Personen).
Nach fast einem Jahr, von der Idee bis zur Durchführung, war es dann endlich so weit.
Wir stiegen im Frankfurt in den Flieger nach Oslo. Nach einer Übernachtung ging es dann mit der Brathens ("Brathähnchen"??, innernorwegische Fluglinie) über Trömso nach Lonyearbyen auf Spitzbergen. Die Norweger nennen die Inselgruppe Svalbard, und nur die Hauptinsel Spitsbergen.

Lange Zeit galt Svalbard als Niemandsland, nicht nur weil sich zunächst niemand außer ein paar Pelzjägern und Walfängern für das Land interessierte. Erst der Svalbardvertrag schrieb im Jahr 1920 Norwegens Souveränität fest, mit der Bedingung, dass die Insel entmilitarisiert bleibt und die neun Unterzeichnerstaaten ihren wirtschaftlichen Aktivitäten frei nachgehen können. Besonders die damalige Sowjetunion interessierte sich einst für den Kohleabbau auf Spitzbergen. Noch heute leben in Barentsburg über tausend russische Einwohner und betreiben den Kohleabbau.

Sonntag, 31. Aug 03
Wir steigen in Longyearbyen aus dem Flugzeug und sind beeindruckt von der Gebirgslandschaft der Hauptinsel Svalbards, Spitzbergen. Leicht verschneite Berggipfel unterbrochen von unzähligen Eisfeldern und massiven Gletschern.
Am Flugfeld von Longyearbyen warten wir, und andere Expeditionsteilnehmer wie es weitergeht.
Unser Reiseführer Jan trifft ein, und packt uns in einen bereitstehenden Reisebus. Wir laden unsere Gepäck in die Noorderlicht und nutzen gleich die Zeit bis zum Ablegen zur Besichtigung von Longyearbyen mit seinem Museum.
Lat N 70° 14', Long. E 13° 43'


Die Noorderlicht, ein liebevoll hergerichteter Gaffelschoner, unter niederl. Flagge, ehemals Feuerschiff "Kalkgrund", ab 1925 umgenannt "Flensburg", ist in den nächsten Wochen unser Heim.

1991 kauften die heutigen Besitzer den Rumpf des Schiffes, restaurierten ihn von Grund auf (nach den Vorschriften des "Register Holland") und bauten das Schiff zum Zweimast-Schoner "Noorderlicht" um. Heute fährt das Schiff unter niederländischer Flagge und ist mit 10 gemütlichen Kabinen für jeweils zwei Personen sowie vier Duschen/WC, einem großen Speisesaal und einer kompletten Küche ausgestattet. Unter Deck gibt es einen geräumigen Salon. Im Deckshaus befindet sich eine gemütliche Polsterbank, von der man einen herrlichen Blick nach draußen hat. Der stählerne Rumpf des Schiffes wurde so umgebaut, dass er auch Treibeis standhalten kann.
Wegen seiner guten Isolation, der Zentralheizung und der Klimaanlage wird das Schiff sowohl in kalten (z.B. in Schottland, Norwegen, Spitzbergen) als auch in warmen Gewässern (z.B. Karibik) eingesetzt.



Techn. Daten:
LOA: 46.20 m
LOD: 36.00 m. LWL: 30.58 m.
Breadth: 6.50 m.
Depth: 4.00 m.
Displacement: 250 t.
Constr.: Steel, 13 mm
Sails: 550 m2
Propelled by: Caterpillar 343 D

Lonyearbyen mit Ausblick auf den Adventfjord.

Longyearbyen, der Hauptort der Inselgruppe hat ca 1200 Einwohner.
Sitz des Governours, des Sysselmannes von Svalbard
Longyearbyen benannt nach dem Amerikaner Longyear, Gründer einer Kohlebergwerksgesellschaft.

Um 18 Uhr legen wir ab und fahren über den Isfjord zum Übernachten in die Bucht Trygghamna (sicherer Hafen). 20 sm,

Montag, 1. Sept. 03
von 10 - 13 Uhr Excursion an die Südspitze des Oscar II Landes, einem steilen Vogelfelsen. Wir sehen unser ersten Rentier, eine etwas kleinere Svalbard-Art.
Nach dem Lunch segeln wir durch den Forlandsundet Richtung Nord in den Kongsfjord nach Ny Alesund. 55 sm,

Ny Alesund,
nördlichstes Postamt der Welt.

Der Ort gehört einer norw. Bergwerksgesellschaft. Die Kohleminen wurden 1962 nach einer Explosion mit insgesamt 80 Todesopfern stillgelegt.
Die Internationale Polarforschung hat den Ort gewissermaßen übernommen.



Nicht nur das nördlichste Postamt, sondern auch das nördlichste Hotel und die nördlichste Eisenbahn (stillgelegte Grubenbahn) findet sich in Ny Alesund.

Mehrere Staaten unterhalten hier Forschungsstationen (Alfred-Wegener-Institut). Außerdem ist in Ny Alesund eine Station für Satellitengeodösie installiert (Messung der Kontinentaldrift).
Ny Alesunds Bekanntheit geht vor allem auf die Zeit der Polarpioniere und Flugpioniere der 20er Jahre zurück. Amundsen und Ellsworth versuchten 1925 von hier aus, mit zwei Dornier Flugbooten, den Nordpol zu überfliegen. Eine Dornier hatte einen Motorschaden und musste notlanden. Das zweite Flugboot ging bei der Landung ebenfalls zu Bruch. Mit Teilen des zweiten Flugbootes konnten sie das erste reparieren. Nur mit größten körperlichen Anstrengungen schafften es die Flugpioniere eine Startbahn im Packeis anzulegen. Beide Besatzungen kehrten mit einer Maschine wohlbehalten zurück.
1926 schaffte es der Amerikaner Byrd, von Ny Alesund aus den Pol zu überfliegen, und im gleichen Jahr erreichten Amundsen, Nobile und Ellsworth, mit dem Luftschiff "Norge" den Pol und flogen bis Alaska weiter.

Mit Amundsen zerstritten, startete dann 1928 General Nobile mit dem Luftschiff "Italia" zu seinem "italienischen" Polflug.
Beim Rückflug musste die Mannschaft gegen starke Stürme ankämpfen. Schließlich krachte die prächtige silberne Zigarre aufs Packeis. Die Führergondel zerschellte und sechs Männer trieben mit der Hülle ab, wurden nie wieder gesehen. Umberto Nobile selbst stürzte mit dem Rest der Besatzung aufs Eis. Mit dem wenigen verbliebenen Proviant harrten sie auf Rettung.
Den Luftschiffbrüchigen gelang es eine Funkverbindung herzustellen. Nach zwei Monaten im Eis wurde der durch Knochenbrüche bewegungsunfähige Nobile endlich von einem schwedischen Piloten gefunden und ausgeflogen. Später wurden dann auch die anderen Überlebenden der Expedition gerettet. Der sowjetische Eisbrecher "Krassin" nahm die ausgemergelten Männer an Bord.
Der Ankermast der Luftschiffe Norge und Italia kann man in Ny Alesund besichtigen.

Dienstag,2. Sept.03
9.30 - 12.00 Uhr Rundgang durch Ny Alesund mit Einkauf im Andenkenladen und Besichtigung des Museums.


Unter Motor fahren mit der Noorderlicht zur gegenüberliegenden Bloemstrand(half)oeya und besichtigen die Überreste des vergeblichen Versuches des Amerikaner Mansfeld, hier Marmor abzubauen. 17.24 Uhr geht es weiter.

Dicht vor dem Gletscherabbruch des Kronenbreen treiben wir durch das Gletschertreibeis.

Die komprimierte Luft aus dem schmelzenden Gletschereis erzeugt ein knisterndes Geräusch.



Vom Gletscher Kronenbreen zurück,
Blick auf den Kongsfjord


Anschließend fahren wir durch den Kongsfjord und weiter nach Nord . 55 sm

Mittwoch, 3.Sept.03
Gegen 4 Uhr erreichen wir die Insel Danskoeya und ankern in der Bucht Virgohamna.

Wir besichtigen an Land die Überbleibsel des schwed. Ballonfahres Andrèe und des Amerikaner Wellmann.
1897 versuchte Andrèe mit einem Ballon über den Nordpol zu fahren.
Nach einigen Tagen musste Andrèe mit seinen beiden Begleitern auf dem Packeis notlanden.
Nach unendlichen Strapazen im Packeis, konnten sie noch Kvitoeya, nordöstl. von Nordaustland erreichen.


Hier starben sie vermutlich an trichinenverseuchtem Eisbärfleisch. Erst dreißig Jahre später wurden ihre Überreste gefunden. Die gefundenen Tagebücher und Filme zeigten die Tragödie, dieses von Anfang an zum Scheitern verurteiltem Unternehmens auf.


Der Deutschamerikaner Wellmann versuchte es dann 1906/7 mit einem Luftschiff (war mehr eine Wurst mit Hilfsmotor). Nach einem zweiten Versuch gab er dieses Vorhaben vernünftigerweise als undurchführbar auf.
Bekannt wurde allerdings der Schwede Andrèe (echte Helden leben selten).



Die Polarbärgefahr ist auf Svalbard nicht zu unterschätzen.




Später beobachten wir von der Noorderlicht aus wie ein Eisbär den Kadaver einer Bartrobbe zerreißt.
3 sm weiter auf der Insel Amsterdamoeya besichtigen wir die Überreste der holländischen Walfängerstation Smeerenburg (Fettburg).


1619 wurde diese Walfangstation, von den Niederländern gegründet. in der Blütezeit umfaßte die Siedlung sieben Tranöfen mit 16 bis 17 Häuser.



Überwinterungen von Wachpersonal gingen meist tödlich aus (Skorbut).
Nach einigen Jahrzehnten hatten die Dänen, Holländer, und andere Nationen den Grönlandwal so weit dezimiert, dass er um Svalbard nicht mehr zu finden ist.

Gegen Abend starten wir die Umrundung der NE -Ecke Spitzbergens in Richtung Osten.

Donnerstag,4. Sept. 03
In der Nach passieren wir die Insel Moffen mit einer Walrosskolonie um dann gegen Morgen vor der Insel Lagoeya (flache Insel) zu ankern.
80 sm, Lat. N 80° 23', Long E 18° 20'
wir steigen aus den "Rubberboot" und gehen auf Lageoeya, der nördlichste Punkt unserer Reise an Land. 80° 23' Nord.

Wir haben absolut ruhige See, kein Wind und ca +5 ° Celsius.

Früher befanden sich auf Lageoeya und Moffen riesige Walroßkolonien. Heute sind wir froh wenn wir ca 30 dieser Kolosse, bis zu 1600 kg Lebendgewicht zu Gesicht bekommen.

Wir besuchen eine Walrosskolonie ca 35 Tiere. In der Nähe ca 70 m, lauert ein Eisbär. Zum Glück für uns, oder ihn, zeigt er an uns keinerlei Interesse. Wir ziehen uns vorsichtig zurück. Nachmittags starten wir in Richtung Hinlopenstrasse.

Freitag,5.Sept. 03
In der Nacht ankern wir vor der Insel Krossoeya im Murchisonfjord, Gustav V Land, Norddauslandet.
35 sm, Lat N 79° 06', Long E 18°

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Wir besichtigen auf der Insel einige Russengräber. Hier wächst auch das früher für eine Überwinterung wichtige Löffelkraut (Vitamin C gegen Skorbut).

Nachmittags fahren wir weiter Richtung Süd vorbei an einer Vogelkolonie, und Gletscher von Ny Friesland, Spitsbergen. Wir ankern auf der Ostseite der Hinlopenstrasse vor der Scania Halfoeya, Gustav Adolf Land, Nordaustlandet.
45 sm, Lat N 79°28', Long E 20°

In der Hinlopenstrasse ist auch im Sommer mit Treibeis zu rechnen. Manche Jahre ist es unmöglich in sie einzudringen. Deshalb sind Tiefenangaben in den Seekarten unsicher oder fehlen gänzlich. Für Kreuzfahrtschiffe ist es nicht ratsam dieses Gewässer zu befahren. Vor einigen Jahren ist hier ein russ. Schiff auf Grunde gelaufen.

Samstag, 6. Sept. 03
Weiter nach Süden geraten wir in immer dichter werdendes Treibeis. Unser Ausweg, ein eisfreie Fläche im Osten, zieht sich zusammen. Eine Rückkehr nach Norden ist ebenfalls ausgeschlossen. Der Heleysund, nördlich Barentsoeya ist mit Eis versperrt. In der Nacht östl Barentsoeya wird es besser.

So bleibt uns nur der Weg östlich an Wilhemsoeya vorbei nach Südosten durchzustoßen. Dabei treffen wir immer wieder Walrossmütter mit Nachwuchs und Robben. Ein Eisbär hat sich ein Scholle als Transportmittel ausgesucht.

Die Noorderlicht schiebt vorsichtig die im Wege liegenden Eisschollen beiseite und bahnt sich so einen Weg durch das Treibeis.


kleiner bizzarer Eisberg

Das Treibeis wird immer dichter

Die Berge zu beiden Seiten der Hinlopenstrasse sind flacher. Ausgesprochene Tafelberge auf Barentsoeya.

Sonntag,7. Sept. 03
Morgens ankern wir im Freemannsundet zwischen Barentsoeya und Edgeoeya.
110 sm, N Lat 78° 14', Long E 21°

Gegen Mittag Excursion zur "Würzburger Hütte". Zwei Polarfüchse wehren sich gegen die Attacken der Raubmöven. In 200 Meter Entfernung entdecken wir einen schlafenden Eisbären.

Montag 8.Sept. 03
Wir fahren weiter in Richtung Süd zur Diskobucta auf der Insel Edgeoeya.
30 sm, Lat N 77°55', Long E 21°40'.
Wegen des starken Schwells (keine Landung möglich), fahren wir weiter in Richtung Süd zur Russebucta.
23 sm Lat N 7732', Long E 21°

Dienstag, 9. Sept. 03
In der Nacht nehmen wir "Anker auf" und motoren nach Osten zum Andrèetangen, nahe der Südspitze von Edgeoeya .
42 sm Lat N77°23' Long E 22°35'

Nach dem Frühstück Excursion am Strand entlang durch Bäche (nasse Füße), zur Walrossjagdhütte

Nachmittags motoren wir weiter Richtung Süden um die Südspitze von Edgeoeya herum, nach Osten zu Halfmaneoeya (Halbmondinsel)
18 sm, Lat N 77°18', Long E 23°10'.
Excursion zur Jagdhütte des berühmten Eisbärjägers Henri Rudi.
Gegen Abend machen wir uns auf die Rückreise, Richtung Süd, nach der Bjoernoeya (Bäreninsel).


Die Eisbären wurden früher durch Selbstschussanlagen zur Strecke gebracht. Ein Gewehr, eingebaut in einem Kasten, der Abzug mit einer Leine am Köder verbunden, ließ dem Polarbär keine Chance. Der Bär versuchte mit dem Kopf in den Holzkasten den Köder zu erreichen, und löste so den Schuss aus. Seit mehreren Jahrzehnten steht der Polarbär unter Naturschutz, und darf nicht gejagt werden.

Mittwoch-Donnerstag,10.-11. Sept.
Nach 185 sm, meist unter Segel erreichen wir am 11. Sept. früh morgens Russebucta, an der SE Seite von Bjoernoeya.
185 sm Lat N 74°23', Long E 19°10'.
Unsere Tages-Excursion führt uns durch beeindruckende Berglandschaft zu einer Bleimine. Wir finden dort nicht sehr alte Excremente eines Eisbären.

Ein im Frühjahr vom Treibeis zurückgelassener Eisbär befindet sich vermutlich noch auf der Bäreninsel.

Weiter geht es zu Fuß an der Steilküste weiter zur Kvalrussbucta (Walrossbucht). Hier befinden sich noch Überbleibsel einer Walfanstation.
Lat N 74°22', Long E 19°10'.

die bizzare Felsküste ist typisch für die Südküste von Spitzbergen

Alistar McLean hat sich für seinen Thriller "Die Insel", dies Gegend ausgesucht. Dieser Roman wurde auch verfilmt.

Von der Noorderlicht werden wir abgeholt nehmen Kurs auf Nord-Norwegen nach Tromsö.

Freitag-Sonntag,12.-14. Sept
Wir segeln 2 Tage bei zuletzt bis zu 7 Bft auffrischenden Winden Richtung Süd. Vor der norwegischen Küste müssen wir kreuzen. Die letzten Meilen in die Fjordlandschaft hinein nehmen wir den Motor zur Hilfe.

Die Noorderlicht als ehemaliges Feuerschiff, hat im Gegensatz zu Frachtsegler, ein V-förmiges Unterwasserschiff mit geringer Anfangs- aber hoher Endstabilität.

zum Bug (Klüver) sind es noch ca 35 Meter.

Die Noorderlicht als Langkieler reagiert erst spät auf Ruderausschläge. Bei Kurskorrekturen muss man ihr Zeit lassen, dann aber läuft sie wie auf Schienen, und der Steuermann kann erst mal Kaffee trinken gehen.

Nach insgesamt 1102 sm legen wir am 14. Sept. vormittags in Tromsö an. Bis zum Rückflug am 16. Sept. nutzen wir die Zeit das Städtchen Tromsö zu besichtigen.

Von der Crew werden wir mit einem ausgezeichnetem Dinner verabschiedet.

Unsere Crew von links:
Smut Sonja,
second Maat Marc,
Reiseführer Guide Jan,
first Maat Regine,
und Skipper Gert.


Reisebericht und Fotos von Manfred Iffland
Grafik: Wikipedia