Segeltörn von Nieuwpoort nach London, 26 Juni - 10. Juli 2009


Bericht vom 27. Juni


Bericht vom 4. Juli


Bericht vom 6. Juli


Bericht vom 9. Juli


Germani attingunt Londonium

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SO WAR ES GEPLANT

Schlussbericht

Nach zehn Törn in der Ostsee und im Skagerak war wieder einmal ein Clubtörn nach London fällig. Mit Begeisterung sprachen sich die Clubmitglieder am Clubabend im Sept. 2008 für London als Ziel des Clubtörns 2009 aus. Leider sprangen dann später interessierte Skipper dann doch noch ab, sodass am Ende nur eine verstärkten Crew des Startschiffes der Hessenregatta 2009 sich sich zusammen fand.
Eine geeignete Yacht, eine Sun Odyssey 49, Heimathafen Nieuwpoort, Belgien wurde gechartert. Klaus und Purser Inge, die Marinekameraden Harald und Georg, Navigator Petra und CoSkipper Matthias, der Ton- und Film-Berichterstatter Bernd (ausgeliehen vom SC Inheiden) sowie der Skipper Manfred, machten sich dann am Freitag den 26. Juni 2009 auf den Weg nach Nieuwpoort.
Bei der Übernahme der SY Sealord (SO 49 Bj 2004) mussten wir, außer einer nur oberflächlichen Reinigung, einer fehlende Windex, Radarreflektor, eines zweit- Ankers, sowie nicht funkt. Bb Cockpit-Instrumente bemängeln.

Samstag, 27. Juni 2009
Wegen der ungünstigen Gezeitenverhältnisse wählten wir nicht die sonst günstigere Route über Ramsgate (nur ein Verkehrstrennungsgebiet zu überqueren ca 60 sm) sondern entschlossen uns direkt nach London zu navigieren.
Gegen Mittag legten wir nach der obligatorischen Sicherheitseinweisung ab. Eine "Boje über Bord" -Übung machte uns mit der Yacht vertraut.
Wegen des schwachen NW-Windes gingen wir auf Kurs NNE um das VTG West-Hinder östlich zu umgehen. NE des VTG strichen wir mangels Wind die Segel um nördlich des VTG's und der Reede West Hinder, in Richtung (W) des VTG's North-Hinder zu motoren.

Sonntag 28. Juni
Nach problemloser Querung des VTG bzw TSS in der Nacht ging es direkt in Richtung Princes Channel. Wegen der ersten Nebelbänke waren die Relikte des 2. Weltkrieges, die Shivering- und Red Sand Towers nur schlecht auszumachen.
Dank unseres Micky-Maus Radars, nur ca 12 x 10 cm auf dem Bildschirm des Kartenplotters, konnten wir uns im dichter werdenden Nebel über die "Oaze Deep", dem "Yentlet Channel", nördlich außerhalb der Betonnung retten. Hier lag allerdings die Großschiffahrt auf Reede um das Niedrigwasser für die Einfahrt in die Themse oder River Medway abzuwarten.
Wir lavierten vorsichtig zwischen Betonnung des Yentlet Channels und der Ankerlieger bis zur Seebrücke Southend on See um dort selbst vor Anker zu gehen.
Doch wir bekamen nur den Anker und den zu kurzen Kettenvorläufer von Bord. Die Ankerleine ging wegen des dicken Knotens und eines zu großen Schäkels nicht durch das Führungsgat der Ankerwinsch hindurch.
Dank des fehlenden Zweitankers mussten wir in flacheres Gewässer vordringen bis der Anker hielt.
Das Problem beseitigte Tage später unser Bootsmann Georg, genannt Schorsch, mit einem Notkettenglied und einem Augspleiß.
Nach einigen Stunden Ruhepause ließen wir uns vom auflaufendem Wasser die Themse hinauf bis vor unser Ziel dem St. Katharines Dock mit Motorunterstützung spülen.

Hier entschloss sich der Skipper die längst fällige Themse Taufe (es war für ihn die 5. Reise nach London) der Themse Skipper Gilde vorzunehmen. Beim Versuch die Festmacheleine an die Warteboje anzustecken, ließ er sich in die kühlen Fluten der Themse gleiten. Aber diese Mitgliedschaft des Skippers und Reservierung eines Liegeplatzes in St Katharines nützte uns nichts. Wegen eines Defektes an der Hydraulik der Hubbrücke verweigerte man uns die Einfahrt in die Schleuse. Die Lock-Control organisierte uns aber freundlicher Weise per Telefon und Funk einen Liegeplatz in der zwei sm flussabwärts liegenden South Dock Marina. Hier konnten wir sehr ruhig und preiswert liegen (ca 24,- Great Britain Pound "GBP"). Zusammen mit einem Tagesticket der U-Bahn, erwiesen sich die Personenschnellfähren (Katamarane)als günstigste Verkehrsverbindung. Vom South Dock aus (Schiffahrtsstation Greenland Dock) konnte man in wenigen Minuten die wichtigsten Ziele, Greenwich, House of Parliament, über die Themse erreichen.

Wegen des besonderen Flairs des Museumshafens und des Dickens Inn (Pub) verholten wir aber nach Reparatur der Hubbrücke, dann doch ins St. Katharines Dock (über 60.- GBP/Nacht).

Dickens Inn
Donnerstag 2. Juli
Drei Tagen London musste uns reichen, und so kreuzten wir am Donnerstag Morgen dann unter Segel gegen den leichten Ostwind die Themse hinunter.
Vor Canvey Island mussten wir allerdings, wegen des langsam einsetzenden Gegenstromes, den Motor zu Hilfe nehmen. Nach Besichtigung des untergegangenen Munitionsfrachter Montgomery bogen wir in den River Medway ein um uns vom Tidenstrom nach Chatham schieben zu lassen. Vom Hafenmeister und Schleusenkommandeur sehr freundlich aufgenommen okkupierten die Südhessischen Mittelgebirgssegler den uns zugewiesenen Platz im neuen Yachthafen der Chatham Docks. Die besten Sanitärräume von ganz England, Familienduschräume incl. Toilette, Einzelduschräume, ebenfalls mit Waschtisch und Toilette, sowie normale Duschanlagen warteten auf uns.
Absolut sauber und erholt stürmten wir am Freitag (Fest)-Landlubber die Museumswerft Chatham.

Samstag 4. Juli Wegen des zu schwachen Ostwindes ließen wir uns mit ablaufendem Wasser und Motorunterstützung, diesmal bei guter Sicht am Red Sand- und Shivering Tower in Richtung North Foreland vorbei treiben.
Der Kanal empfing uns diesmal mit einem auf Süd gedrehten frischem Wind. Leider mussten wir dann für die letzten Meilen bis Ramsgate die Segel eingepackt lassen. Bei einsetzender Strömung hätten wir keine Chance gehabt dagegen aufzukreuzen. Doch die WT Angaben von im Hafen von Ramsgate, 2,0 m bei 2,15 m Tiefgang, brachte uns nur kurz in Verlegenheit. Nach Berechnung der Höhe der Gezeit ergaben sich aber satte 3,1 m.

In Ramsgate erwartete uns ein Hafenfest mit Durst- und Wurstbuden sowie diversen Fahrgeschäften, mit dem dazu notwendigen Lärm oder Musik ??? Da konnte der Skipper mit seiner Quetsche nicht gegenanstinken.

Absolut grässliche Wetterberichte (örtliche vom Hafenmeister im Gegensatz zu den SMS Berichten) brachten uns dazu zwei Hafentage einzulegen (einen mehr als geplant). Böen bis zu 70 mph waren angesagt. Jedoch selbst der Hafenmeister konnte uns nicht bestätigen dass damit Landmeilen /h gemeint sind.
Hafen von Ramsgate

Canterbury

Canterbury House Weavers

Wir nutzen die gewonnene Zeit um Canterbury und Ramsgate eingehend nach Sehenswürdigkeiten und Pubs zu untersuchen. In Canterbury fanden wir die Kathedrale und in Ramsgate das schmutzigste Pub der Grafschaft Kent (siehe Bericht des Londontörns 1999). Aber gleich daneben ein neues gehobenes Restaurant (im 1. Stock) !!


 

Dienstag 7. Juli
Früh am Morgen um 7 Uhr BRT legten wir in Ramsgate ab. Eine wieder moderate See und SW 3-4 erwartet uns. Je weiter wir uns von der britischen Insel entfernten umso mehr legte der Wind (und die Wellen) zu (SSW 5-6). Als uns im Verkehrstrennungsgebiet zwei Frachtschiffe in die Mitte nahmen, gingen wir auf Parallelkurs und zeigten dass eine Yacht ganz gut mithalten kann. Nach einigen Meilen hatten sie uns beide überholt. Wir hatten auch dabei wieder ein paar Meilen direkt in Richtung Ziel gut gemacht.
Mit dem weiter auffrischendem Wind SSW 6 mit bis über 11kn (die Wellen hinab) nur mit gereffter Genua bügelten wir quer über die "Flämischen Bänke". Diese Abkürzungen und die hohe Durchschnittsgeschwindigkeit nutzen wir um gleich 20 sm weiter bis Blankenberge (kurz vor Zeebrügge) segeln (oder surfen ?).
In der Einfahrt von Blankenberge wieder das gleiche Spiel wie in Ramsgate, WT in der Einfahrt 1,5 m, wir hatten nahezu Niedrigwasser. Nach Höhe der Gezeit beruhigende 2,6 m, also alles klar. Den Mittwoch nutzten wir "So wie geplant" zur Besichtigung der alten Handels- (Hanse) Stadt Brügge.

Donnerstag 9. Juli
Die Wassertiefe bei morgentlichem Niedrigwasser von 0,2 m unter dem Kiel brachte uns dazu,den Hafenmeister nebst Gehilfen zu fragen bei welchen Gezeitenverhältnissen wir nun auslaufen könnten.
Die Antwort von Beiden: Nur bei Hochwasser !!! Die haben wohl selbst keine Ahnung von ihrem Hafen. Wir sind am Vortag bei nahezu Niedrigwasser problemlos eingelaufen.
Also schnell die Hühner (Yacht) gesattelt und ohne Grundberührung hinaus auf die Nordsee. Hier empfing uns leider ein Gegenwind SSW um 3. Also erst mal ein paar Meilen mit Motor gegenan um die verlorene Zeit wieder aufzuholen. Danach bei 4 Bft zwei Reffs ins Groß und Genua, zum Abschluss tolles segeln hoch am Wind mit über 6 kn.

Freitag 10. Juli
Nach dem letzten gemeinsamen Frühstück, packen, ausladen und reinigen der Yacht. Unser Ziel war sehr leicht zu erreichen, die Yacht im besseren (sauberen) Zustand zurückzugeben als übernommen.

Fazit: dies war wieder einmal ein gelungener Törn ohne Schäden an Körper und Seele. Zumindest sind mir bis jetzt keine seelischen Schäden zu Ohren gekommen.

Navigatorische Planung der Reise
Zur Vorplanung nutzten wir die alten Kartenunterlagen der Londontörns 1996 und 1999.
Ein Muss war danach die Anschaffung eines Naut. Almanac z.B. den Reeds.
Für die Themse Mündung, Ramsgate to Tower Bridge ist der Sportbootkartensatz Admirality Leisure Folio SC 5606 zu empfehlen. Leider ist dieser seit Aug. 2008 nicht neu aufgelegt und muss selbst berichtigt werden. Dazu kann man aus dem Internet eine Berichtigungsdatei im PDF Format herunterladen.
Gezeitentafeln, Strömungskarten, Hafenpläne, Revierbeschreibungen etc aus dem Reeds haben wir gescannt und mehrere Navigations Mappen angefertigt.
Diese sollten den Flotillenteilnehmern zur Verfügung gestellt werden. Unseren Navigatoren (der SY "Sealord") haben aus diesen Unterlagen detaillierte Reisepläne erstellt und die Mappen damit ergänzt.

Wetterberichte:
Im Vorfeld haben wir langfristige Wetterberichte aus dem Internet ( z.B. Windfinder, Windguru) genutzt.
Unterwegs hat uns ein SMS Wetterbericht, 2x täglich per Handy, mit Grunddaten versorgt, außerdem haben wir tägliche Wetterberatung von der Redaktion Königstein erhalten.
Während des Aufenthaltes in England hat sich der örtliche Wetterbericht (z.B. beim Hafenmeister) als der genaueste herausgestellt.
Die meisten Internet Wetterberichte beziehen sich vermutlich auf das Globale Modell GFS ohne Bezug auf örtliche geografische Besonderheiten. Dies gilt oft auch für die SMS-Wettermeldungen. Zur langfristigen Vorhersage sind diese aber gut geeignet.
Leider kann man nicht immer erkennen woher die Provider ihre Daten beziehen bzw welches Vorhersagemodell den Meldungen zu Grunde liegt.


Manfred Iffland Juli 2009